Welche Sprache spricht man in Brasilien?

Welche Sprache spricht man in Brasilien? Die kurze Antwort lautet: brasilianisches Portugiesisch. Es ist die alleinige Amtssprache Brasiliens und prägt den Alltag eines Landes, das in Südamerika sprachlich aus der Reihe fällt. Vielfältiger wird das Bild beim Blick auf Spanisch an den Grenzen, deutsche Dialekte im Süden und 295 indigene Sprachen geht.

Welche Sprache spricht man in Brasilien? Portugiesisch ist die Amtssprache

Portugiesisch ist die alleinige Amtssprache Brasiliens. Artikel 13 der Verfassung von 1988 schreibt diesen Status fest. Mindestens 97 Prozent der Brasilianer haben Portugiesisch als Muttersprache; einschließlich der Zweitsprachler sprechen es über 99 Prozent der Bevölkerung.

Mit rund 215 Millionen Einwohnern ist Brasilien das größte portugiesischsprachige Land der Welt. Portugal kommt im Vergleich auf etwa 10 Millionen Einwohner. Damit liegt der Schwerpunkt der portugiesischen Sprache nicht in Europa, sondern auf der anderen Seite des Atlantiks.

Merkmal Brasilien
Amtssprache Portugiesisch
Rechtsgrundlage Artikel 13 der Verfassung von 1988
Portugiesisch als Muttersprache mindestens 97 Prozent
Portugiesisch-Sprecher insgesamt über 99 Prozent
Besonderheit in Amerika einziges Land mit Portugiesisch als Amtssprache

Die Landessprache Brasiliens ist klar benannt. Das bedeutet allerdings nicht, dass außerhalb des Portugiesischen keine anderen Sprachen hörbar wären. Gerade regional zeigt sich eine Sprachgeschichte, die weit älter und vielfältiger ist als der Blick auf die Amtssprache vermuten lässt.

Warum Brasilien Portugiesisch und nicht Spanisch spricht

Auf einer Karte Südamerikas wirkt Brasilien zunächst wie die große sprachliche Ausnahme: Alle elf anderen südamerikanischen Staaten haben Spanisch als Amtssprache. Der Grund liegt in einer Linie, die lange vor der systematischen Kolonisierung gezogen wurde.

Am 7. Juni 1494 teilte der Vertrag von Tordesillas die neu entdeckte Welt zwischen Portugal und Kastilien, also Spanien, auf. Die Demarkationslinie verlief 370 Léguas, etwa 2.282 Kilometer, westlich der Kapverdischen Inseln; das entspricht 46°37′ westlicher Länge. Alles östlich der Linie fiel an Portugal, alles westlich davon an Spanien.

Die Ostspitze Südamerikas lag auf der portugiesischen Seite. Als Pedro Álvares Cabral 1500 nach Brasilien kam, war die Grundlage für den portugiesischen Anspruch damit gelegt. Ab 1549 begann die systematische Kolonisierung mit portugiesischen Siedlungen. So wurde Portugiesisch zur Sprache der Kolonie und später zur Amtssprache Brasiliens.

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Die heutigen Grenzen passen nicht mehr genau zur Linie von 1494. Durch Ausdehnung ins Landesinnere, Verträge und spätere Kolonialkriege wuchs Brasilien weit über sie nach Westen hinaus. Der sprachliche Ausgangspunkt blieb jedoch portugiesisch. Wer deshalb automatisch Spanisch erwartet, sitzt einer verbreiteten Verwechslung auf.

Brasilianisches Portugiesisch klingt anders als Portugiesisch aus Portugal

Brasilianisches Portugiesisch ist nicht einfach Portugiesisch mit anderem Akzent. Aussprache, Wortschatz, Grammatik und Orthographie unterscheiden sich vom europäischen Portugiesisch. Besonders hörbar sind die Endsilben: In Brasilien werden sie klarer ausgesprochen, während sie in Portugal oft stärker reduziert werden.

Bereich Brasilien Portugal
Rezeption recepção, mit gesprochenem p receção, mit stummem p
Gratulieren parabenizar dar os parabéns
Anrede você fast überall verbreitet tu häufiger
Verlaufsform estou falando estou a falar
Medien mídia media

Das kleine Wort você ist im Alltag besonders wichtig. Es bedeutet je nach Kontext „du“ oder „Sie“ und wird in Brasilien fast überall für die Anrede verwendet. In Portugal ist tu häufiger; damit ändert sich auch die Verbform. In Brasilien treten zudem der persönliche Infinitiv und das Futur des Konjunktivs seltener auf. Statt der in Portugal üblichen Konstruktion estou a falar dominiert estou falando.

Für Reisende ist das eine gute Nachricht: Wer Portugiesisch aus Portugal kennt, hat eine Basis. Beim Hören helfen aber klare Endsilben und die Bereitschaft, vertraute Wörter in einer anderen Form zu erkennen.

Spanisch hilft an der Grenze, ersetzt Portugiesisch aber nicht

Wird in Brasilien auch Spanisch gesprochen? Ja, aber nicht als Landessprache. Etwa 460.000 Menschen sprechen Spanisch als Muttersprache; das sind nur 0,2 Prozent der Bevölkerung. Trotzdem begegnet es häufiger, als diese Zahl erwarten lässt.

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Portugiesisch und Spanisch ähneln sich im Wortschatz zu etwa 89 Prozent. Deshalb verstehen viele Brasilianer Spanisch passiv. Verstehen ist jedoch nicht dasselbe wie es selbst zu sprechen. Im Alltag außerhalb der Grenzräume bleibt Portugiesisch die verlässliche Sprache.

Anders sieht es an den Grenzen zu Paraguay, Uruguay und Argentinien aus. Dort hat sich Portunhol entwickelt, eine Mischung aus Portugiesisch und Spanisch. Im Dreiländereck Brasilien–Paraguay–Argentinien, etwa zwischen Foz do Iguaçu und Ciudad del Este, ist Spanisch im Handel und Tourismus alltäglich präsent. Portunhol ist so verbreitet, dass es als eigene Sprachvarietät erforscht wird; in der Grenzregion zu Paraguay dient es sogar lokalen Medien als Grundlage.

Wo in Brasilien Deutsch gesprochen wird

Deutsch ist keine Amtssprache des ganzen Landes, im Süden Brasiliens hat es jedoch tiefe Wurzeln. Bis zu 1,5 Millionen Brasilianer sprechen Deutsch, vor allem in Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná. Die deutsche Einwanderung begann 1824, als unter Kaiser Dom Pedro I. die ersten deutschen Siedler in Rio Grande do Sul ankamen.

Die verbreitetste deutsche Varietät ist Riograndenser Hunsrückisch, auch Hunsrik genannt. Es wird in den drei südlichsten Bundesstaaten gesprochen; schätzungsweise zwei bis drei Millionen Menschen in Südbrasilien verfügen zumindest über passive Kenntnisse. Rund 850.000 bis 900.000 Deutschbrasilianer sind bilingual und gelten als deutsche Muttersprachler.

Auch Pomerano, eine ostpommersche beziehungsweise niederdeutsche Varietät, wird weiter gesprochen. Rund 300.000 Brasilianer sprechen sie, besonders viele in Espírito Santo, wo es etwa 120.000 Sprecher gibt. In Santa Maria de Jetibá, Domingos Martins, Vila Pavão, Pancas und Laranja da Terra ist Pomerano Co-Amtssprache. Pomerode in Santa Catarina hat seit 2010 Deutsch als zweite Amtssprache; etwa 90 Prozent der Einwohner haben deutsche Vorfahren.

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Die Geschichte verlief nicht ohne Bruch. Während des Estado Novo von 1937 bis 1945 wurde Deutsch durch die Vargas-Dekrete von 1938 verboten, deutsche Schulen wurden geschlossen. Heute fördern Orte im Süden das kulturelle Erbe wieder: In Blumenau und Nova Petrópolis ist Deutschunterricht verpflichtend, und Zeitungen, Radiosender sowie Kulturvereine halten die Sprache unter anderem in Blumenau, Novo Hamburgo und São Leopoldo sichtbar.

Indigene Sprachen erzählen von Brasilien vor und neben dem Portugiesischen

Portugiesisch dominiert zwar die Öffentlichkeit, doch daneben leben viele weitere Sprachen. Der Censo Demográfico 2022 erfasste 295 indigene Sprachen, 21 mehr als beim Censo 2010. 433.980 Menschen sprechen regelmäßig eine oder mehrere davon, ein Anstieg um 47 Prozent gegenüber 293.853 im Jahr 2010.

Die Sprachen gehören vor allem zu den großen Familien Tupi und Macro-Jê; daneben gibt es zahlreiche isolierte Sprachen. Die zehn meistgesprochenen beginnen mit Tikúna mit 51.978 Sprechern, gefolgt von Guarani Kaiowá mit 38.658. Guarani Kaiowá wird vor allem in Mato Grosso do Sul und Paraná gesprochen.

Nheengatu ist ein besonders aufschlussreiches Beispiel. Im 18. Jahrhundert war diese auch Língua Geral genannte Sprache Verkehrssprache im Amazonasgebiet. Heute sprechen sie rund 13.000 Menschen. Überraschend daran: Die Mehrheit der Sprecher lebt nicht in indigenen Territorien, sondern in Städten. Auch das niedrigere Durchschnittsalter der Sprecher indigener Sprachen gegenüber der gesamten indigenen Bevölkerung weist auf Weitergabe an eine jüngere Generation hin.

Neben diesen Sprachen gehören auch Talian, vor allem in Rio Grande do Sul und Santa Catarina, sowie die Brasilianische Gebärdensprache Libras zur sprachlichen Landschaft. Libras wurde 2002 als offizielles Kommunikationsmittel der Gehörlosen anerkannt. In mehreren Städten sind regionale Sprachen wie Guarani, Talian, Hunsrückisch und Pomerano co-offiziell.

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Typische Sprachmythen und die ersten Worte für Brasilien

Drei Irrtümer halten sich hartnäckig. Erstens: Brasilien sei spanischsprachig. Richtig ist, dass Spanisch regional und im Grenzhandel vorkommt, die Amtssprache Brasiliens aber Portugiesisch ist. Zweitens: Portugiesisch aus Brasilien sei identisch mit dem aus Portugal. Aussprache, Anrede und feste Wendungen zeigen das Gegenteil. Drittens: Deutsch sei im Süden eine zweite Landessprache. Es ist dort regional verankert, aber keine landesweite Amtssprache.

Für einen ersten Kontakt reichen wenige Ausdrücke:

  • Olá bedeutet „Hallo“, Oi eher „Hi“. Beide werden im ganzen Land verstanden.
  • Bom dia passt am Morgen, Boa tarde am Mittag und Nachmittag, Boa noite am Abend oder in der Nacht.
  • Tudo bem? heißt „Alles gut?“; eine übliche Antwort lautet ebenfalls Tudo bem!.
  • E aí? und Fala! sind informelle Begrüßungen.

Auch die Geste gehört zur Begrüßung. Händeschütteln ist Standard. Zwischen Frauen und Freunden kommen oft eine Umarmung oder ein beijinho hinzu, meist ein Kuss pro Wange.

Häufige Fragen

Welche Sprache spricht man in Brasilien?

In Brasilien spricht man Portugiesisch, genauer brasilianisches Portugiesisch. Portugiesisch ist laut Artikel 13 der Verfassung von 1988 die alleinige Amtssprache.

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Wird in Brasilien auch Spanisch gesprochen?

Spanisch ist nicht die Hauptsprache. Etwa 460.000 Menschen sprechen es als Muttersprache; besonders an den Grenzen zu Paraguay, Uruguay und Argentinien ist es präsenter.

Warum spricht man in Brasilien Portugiesisch und nicht Spanisch?

Der Vertrag von Tordesillas von 1494 ordnete die Ostspitze Südamerikas Portugal zu. Die portugiesische Kolonisierung ab 1549 verankerte die Sprache dauerhaft.

Wie sagt man Hallo in Brasilien?

Die häufigsten Begrüßungen sind Olá und Oi. Je nach Tageszeit passen auch Bom dia, Boa tarde und Boa noite.

Wo in Brasilien spricht man Deutsch?

Deutsche Varietäten werden vor allem in Rio Grande do Sul, Santa Catarina und Paraná gesprochen. Hunsrik ist dort besonders verbreitet; Pomerano ist unter anderem in Teilen von Espírito Santo co-offiziell.