Brasilien ist größer als die Europäische Union, und seine bekanntesten Sehenswürdigkeiten liegen oft Tausende Kilometer auseinander. Wer die Reise plant, sollte deshalb nach Regionen denken: Rio de Janeiro mit Zuckerhut und Christusstatue, der Süden mit den Iguaçu-Fällen, der Nordosten mit Salvador und den Dünen von Lençóis, das Amazonasgebiet um Manaus und die Mitte mit Pantanal und Brasília. Die folgenden Ziele gehören zu den eindrucksvollsten des Landes.
Rio de Janeiro
Zuckerhut (Pão de Açúcar)
Der 396 Meter hohe Granitfelsen an der Einfahrt der Guanabara-Bucht ist das Wahrzeichen Rios. Die Seilbahn fährt seit 1912 und war eine der ersten ihrer Art weltweit. Sie verläuft in zwei Etappen: von der Praia Vermelha auf den 220 Meter hohen Morro da Urca und von dort auf den Gipfel. Oben reicht der Blick über Copacabana, die Bucht, die Rio-Niterói-Brücke und die Berge des Tijuca-Waldes. Weltweit bekannt wurde die Seilbahn auch durch den James-Bond-Film „Moonraker“ von 1979, in dem Roger Moore auf einer Gondel mit dem Beißer kämpft.
Am schönsten ist der Besuch am späten Nachmittag, wenn die Sonne hinter den Bergen untergeht. Sportliche Besucher steigen über einen Kletterpfad auf den Morro da Urca und fahren nur die zweite Etappe.
Cristo Redentor auf dem Corcovado
Die Christusstatue steht auf dem 710 Meter hohen Corcovado. Sie ist 30 Meter hoch, steht auf einem 8 Meter hohen Sockel und breitet die Arme 28 Meter weit aus. Eingeweiht wurde sie 1931; den Entwurf lieferte der Ingenieur Heitor da Silva Costa, Kopf und Hände modellierte der französische Bildhauer Paul Landowski. Die Außenhaut besteht aus einem Mosaik aus Speckstein-Dreiecken. Im Sockel befindet sich eine kleine Kapelle. 2007 wurde die Statue in einer weltweiten Abstimmung zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt.
Hinauf geht es mit der Zahnradbahn ab dem Stadtteil Cosme Velho, die durch den Nationalpark Tijuca fährt, oder mit offiziellen Kleinbussen. Bei tief hängenden Wolken ist von oben nichts zu sehen; ein Blick auf die Webcam oder den Himmel vor der Fahrt spart Enttäuschungen.
Copacabana, Ipanema und Leblon
Die Copacabana zieht sich rund vier Kilometer in einem Bogen am Atlantik entlang. Ihre Uferpromenade mit dem schwarz-weißen Wellenmuster des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx ist eine der bekanntesten der Welt. Westlich schließen Ipanema und Leblon an, die mit Blick auf die Zwillingsberge Dois Irmãos als schickere Strandviertel gelten. Am Arpoador-Felsen zwischen Copacabana und Ipanema versammeln sich abends viele Menschen und applaudieren dem Sonnenuntergang. Sonntags ist die Uferstraße für Autos gesperrt und gehört Joggern, Radfahrern und Familien.
Süden und Südosten
Iguaçu-Wasserfälle
An der Grenze zu Argentinien stürzt der Rio Iguaçu auf einer Breite von rund 2,7 Kilometern in etwa 275 Einzelfällen in die Tiefe. Der größte Abschnitt, der Teufelsschlund (Garganta do Diabo), fällt bis zu 82 Meter tief. Die Nationalparks auf beiden Seiten sind UNESCO-Welterbe, der brasilianische seit 1986.
Die brasilianische Seite bei Foz do Iguaçu bietet das große Panorama: Ein Weg von gut einem Kilometer führt an den Fällen entlang zu einem Steg direkt vor dem Teufelsschlund. Die argentinische Seite bringt einen näher heran, mit Stegen über und unter den Fällen. Für beide Seiten sollte man mindestens je einen Tag einplanen. Bootstouren fahren bis dicht unter die Fälle, Nasenbären begegnen Besuchern auf fast jedem Weg.
Paraty
Das Städtchen zwischen Rio und São Paulo war im 18. Jahrhundert Hafen für das Gold aus Minas Gerais, das über den gepflasterten Caminho do Ouro durch die Berge an die Küste gebracht wurde. Die Altstadt mit weiß gekalkten Häusern, bunten Türen und groben Pflastersteinen ist für Autos gesperrt; bei Springflut läuft das Meer in die Gassen. Von Paraty aus fahren Schoner zu Inseln und Buchten, Wanderwege führen zu Wasserfällen im Regenwald. Zusammen mit der Ilha Grande ist Paraty seit 2019 Welterbe.
Nordosten
Salvador da Bahia
Salvador war von 1549 bis 1763 Hauptstadt Brasiliens und ist bis heute das Zentrum der afrobrasilianischen Kultur. Die Altstadt Pelourinho auf dem Felsplateau über der Bucht ist mit farbigen Kolonialhäusern und zahlreichen Kirchen Welterbe. Besonders prächtig ist die Kirche São Francisco mit ihrem vergoldeten Innenraum. Der Elevador Lacerda verbindet Ober- und Unterstadt. Abends gehören Trommelgruppen, Capoeira-Runden und Acarajé-Stände zum Straßenbild.
Lençóis Maranhenses
Der Nationalpark im Bundesstaat Maranhão umfasst rund 1.500 Quadratkilometer Küste und Dünen. In der Regenzeit sammelt sich Wasser in den Senken zwischen den Dünen und bildet Hunderte türkisfarbene Lagunen. Am besten sind sie von Juni bis September gefüllt. Ausgangspunkte sind Barreirinhas und Santo Amaro; die Anfahrt ins Dünenfeld erfolgt mit Allradwagen. Seit 2024 ist der Nationalpark UNESCO-Welterbe.
Amazonas und Landesmitte
Manaus
Die Metropole mitten im Regenwald wurde durch den Kautschukboom reich. Sein berühmtestes Zeugnis ist das Teatro Amazonas, 1896 eröffnet, mit Marmor aus Italien und einer Kuppel aus farbigen Ziegeln. Es ist seit 2026 zusammen mit dem Theatro da Paz in Belém UNESCO-Welterbe. Von Manaus aus fahren Boote zum Treffen der Wasser, wo der dunkle Rio Negro und der lehmfarbene Solimões kilometerweit nebeneinanderfließen, und zu Lodges im Regenwald.
Pantanal
Das Pantanal in Mato Grosso und Mato Grosso do Sul ist eines der größten Binnenfeuchtgebiete der Erde. Weil die Landschaft offen ist, lassen sich Tiere hier leichter beobachten als im Regenwald: Kaimane, Wasserschweine, Hyazintharas, Tukane und Riesenotter. Am Rio Cuiabá bei Porto Jofre sind in der Trockenzeit von Juli bis Oktober die Chancen auf Jaguare so gut wie kaum anderswo. Ausgangspunkte sind Cuiabá für den Norden über die Transpantaneira und Campo Grande oder Bonito für den Süden.
Brasília
Die Hauptstadt wurde in nur wenigen Jahren im Hochland gebaut und 1960 eingeweiht. Der Stadtplaner Lúcio Costa legte sie in Form eines Flugzeugs an, Oscar Niemeyer entwarf die wichtigsten Bauten: die Kathedrale mit ihren 16 geschwungenen Betonstützen, den Nationalkongress mit seinen zwei Schalen und die Paläste an der Praça dos Três Poderes. Brasília ist seit 1987 Welterbe und für Architekturinteressierte ein eigener Reisegrund.
Tipps für die Reiseplanung
- Inlandsflüge nutzen: Zwischen Rio, Salvador, Manaus und Foz do Iguaçu liegen Flugstunden; Busfahrten dauern oft einen ganzen Tag oder länger.
- Jahreszeiten beachten: Rio ist von Dezember bis März heiß und feucht, die Lagunen von Lençóis sind im Winterhalbjahr gefüllt, das Pantanal zeigt in der Trockenzeit die meisten Tiere.
- Feiertage einplanen: Zu Karneval und über Silvester steigen die Preise in Rio und Salvador stark, Unterkünfte sind Monate im Voraus ausgebucht.
- Tickets online kaufen: Für Zuckerhut, Corcovado und die Iguaçu-Nationalparks gibt es Online-Tickets, die Wartezeiten verkürzen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Zuckerhut?
396 Meter. Die Seilbahn fährt in zwei Etappen über den Morro da Urca zum Gipfel.
Welche Seite der Iguaçu-Fälle ist besser?
Die brasilianische Seite bietet das Panorama, die argentinische führt näher an die Fälle heran. Ideal ist es, beide zu besuchen.
Wann haben die Lençóis Maranhenses Wasser?
Nach der Regenzeit, am zuverlässigsten von Juni bis September.
Wie groß ist die Christusstatue?
30 Meter, dazu kommt ein 8 Meter hoher Sockel. Sie steht auf dem 710 Meter hohen Corcovado.






