Der Amazonas: Länge, Verlauf, Rekorde

Wie lang ist der Amazonas? Je nach Messmethode kommt der südamerikanische Strom auf mindestens 6.400 Kilometer, viele Übersichten nennen 6.400 bis 6.800 Kilometer, die höchste Angabe liegt bei 6.992,2 Kilometern. Eine Studie des brasilianischen Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) von 2025 bestätigt per Satellitenmessung 6.992,06 Kilometer. Damit wäre der Amazonas rund 140 Kilometer länger als der Nil mit 6.852,15 Kilometern und der längste Fluss der Erde. Auf seinem Weg von den peruanischen Anden durch Brasilien bis in den Atlantik führt er im Jahresmittel 206.000 bis 209.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, mehr als die sieben nächstkleineren Flüsse der Welt zusammen.

Wie lang ist der Amazonas? Messungen und das Duell mit dem Nil

Jahrhundertelang galt der Nil als längster Fluss der Erde. Erst moderne Geolokalisierungstechnik lieferte genauere Daten über die entlegenen Quellgebiete in den Anden und die verzweigten Mündungsarme am Atlantik. Die Debatte über die genaue Länge dauert trotzdem an, denn zwei Festlegungen verschieben das Ergebnis um fast 600 Kilometer: welche Quelle als die entfernteste gilt und welcher Mündungsarm gemessen wird.

Die klassische Angabe von rund 6.400 Kilometern folgt dem kürzesten Abflussweg nördlich der Insel Marajó über den Canal Norte. Die neueren Werte bis 6.992 Kilometer beziehen dagegen den Canal Sul und den Rio Pará ein, der südlich um Marajó herumfließt.

Auch an der Quelle in Peru gibt es Korrekturen. Seit 1971 gilt der Quellbach in der Carhuasanta-Schlucht am Nevado Mismi als entferntester Ursprung. Eine 2014 veröffentlichte Studie der Royal Geographical Society nannte jedoch den Río Mantaro, rund 150 Kilometer nordöstlich von Lima, als Quelle, die 75 bis 92 Kilometer weiter entfernt liegt als die am Nevado Mismi.

Merkmal / Messvariante Amazonas Nil (zum Vergleich)
Klassische Mindestlänge (über Canal Norte) mindestens 6.400 km –
Häufige Schätzspanne 6.400 bis 6.800 km –
Satellitenmessung INPE 6.992,06 km (Höchstangabe 6.992,2 km) 6.852,15 km
Unterschied nach INPE-Messung rund 140 km länger als der Nil zweitlängster Fluss der Erde
Mündungsfernste Quelle (seit 1971) Carhuasanta-Schlucht am Nevado Mismi (5.186 m) –
Alternative Quelle (Royal Geographical Society, 2014) Río Mantaro (75 bis 92 km weiter entfernt) –

Von den peruanischen Anden bis zum Atlantik: Quelle, Verlauf und Mündung

Am Nordhang des 5.597 Meter hohen Nevado Mismi entspringt in der Carhuasanta-Schlucht auf 5.186 Metern Höhe der Quellbach Carhuasanta. Der Gletscherbach führt ganzjährig Wasser. 1996 schlug ein internationales Expeditionsteam unter Jacek Palkiewicz die Apacheta-Lagune am Nevado Mismi als maßgebliche Quelle vor. Von der Quellregion auf etwa 5.170 Metern bis zur Mündung auf Meereshöhe überwindet das Wasser rund 5.170 Höhenmeter. Das Sohlgefälle liegt bei nur 0,74 Promille.

Im Oberlauf gibt es eine Besonderheit: Der südliche Quellfluss Ucayali ist mit 2.670 Kilometern deutlich länger als der nördliche Marañón mit 1.600 Kilometern. Trotzdem gilt der Marañón hydrologisch als Hauptquellfluss, weil er mehr Wasser führt. Seinen Namen erhielt der Strom von spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert. Sie trafen am Fluss auf kriegerische Frauen, die sie an die Amazonen der griechischen Mythologie erinnerten.

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Der Verlauf von der Andenquelle bis zur Küste lässt sich in fünf Etappen gliedern:

  1. Gebirgslauf in Peru: Der Carhuasanta speist den Río Apurímac, dessen Wasser über Río Ene und Río Tambo in den Río Ucayali gelangt.
  2. Vereinigung der Quellflüsse: Ucayali und der wasserreichere Marañón bilden zusammen den Hauptstrom.
  3. Rio Solimões: Von der peruanischen Grenze bis zum Zusammenfluss mit dem Rio Negro bei Manaus heißt der Oberlauf in Brasilien Rio Solimões.
  4. Treffen der Wasser bei Manaus: Etwa zehn Kilometer flussabwärts von Manaus fließen der lehmig-gelbe Solimões und der schwarze Rio Negro zusammen.
  5. Ästuardelta am Atlantik: An der Nordküste Brasiliens mündet der Strom über einen rund 330 Kilometer breiten, von den Gezeiten geprägten Mündungstrichter in den Atlantik.

Das Ästuardelta trägt große Mengen Sediment über den Schelf bis zum Kontinentalhang. Im Mündungstrichter liegt die Insel Marajó, etwa so groß wie die Schweiz. Sie trennt die beiden Hauptarme: Durch den Canal Norte fließen 40 Prozent des Wassers, durch den Canal Sul 56 Prozent. Die übrigen 3 bis 4 Prozent gelangen über natürliche Kanäle, die Furos, in den Rio Pará südlich der Insel.

Rio Solimões, Rio Negro und das Encontro das Águas bei Manaus

Rund um Manaus liegt eines der bekanntesten Naturschauspiele am Amazonas in Brasilien: das Encontro das Águas („Treffen der Wasser“). Manaus, Hauptstadt des Bundesstaats Amazonas und Standort des Opernhauses Teatro Amazonas, liegt nicht am Hauptstrom, sondern am Rio Negro, etwa zehn Kilometer oberhalb des Zusammenflusses. Die Stadt ist der wichtigste Ausgangspunkt für Reisen in die Region.

Der Rio Solimões ist ein Weißwasserfluss. Sein hoher Sedimentanteil aus den Anden färbt ihn lehmig-gelb. Der Rio Negro (portugiesisch für „Schwarzer Fluss“) ist 2.253 Kilometer lang, führt rund 28.400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde und ist nach dem Rio Madeira der zweitgrößte Nebenfluss der Welt. Sein Einzugsgebiet umfasst 720.114 Quadratkilometer stark ausgelaugter, sandiger Böden. Aus ihnen werden Humin- und Fulvosäuren gespült, die das Wasser dunkel färben.

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Am Zusammenfluss vermischen sich die beiden Ströme nicht sofort. Rund elf Kilometer weit fließen sie nebeneinander im selben Bett. Grund sind Unterschiede bei Temperatur, pH-Wert, Dichte und Fließgeschwindigkeit.

Eigenschaft Rio Solimões Rio Negro
Wassertyp und Farbe Weißwasser (lehmig-gelb bis braun) Schwarzwasser
Ursache der Färbung hoher Sedimentanteil aus den Anden Humin- und Fulvosäuren aus sandigen Böden
Fließgeschwindigkeit ca. 7,5 km/h (etwa dreimal so schnell) ca. 2,5 km/h
Wassertemperatur unter 22 °C (helle Farbe) über 28 °C (dunkle Farbe absorbiert Sonnenlicht)
pH-Wert ca. 7,5 (schwach basisch) ca. 3,5 (stark sauer)

Wassermenge, Einzugsgebiet und die Flutwelle Pororoca

Noch deutlicher als bei der Länge zeigt sich der Rekord bei der Wassermenge. Im Jahresmittel fließen 206.000 bis 209.000 Kubikmeter pro Sekunde in den Atlantik, bei hohem Wasserstand bis zu 300 Millionen Liter pro Sekunde. Das ist etwa ein Fünftel des gesamten Süßwassers, das weltweit in die Ozeane fließt. Kongo, Orinoko, Jangtse, Brahmaputra, Jenissei, Paraná und Lena führen an ihren Mündungen zusammen weniger Wasser als der Amazonas allein.

Das Amazonasbecken umfasst rund 6,3 Millionen Quadratkilometer in neun Ländern Südamerikas und enthält etwa ein Fünftel des fließenden Süßwassers der Erde. Der Amazonas hat rund 10.000 Nebenflüsse. Über 100 davon sind schiffbar, 17 sind länger als 1.600 Kilometer. Zum Vergleich: Der Rhein misst 1.236 Kilometer. Der wasserreichste Nebenfluss ist der Rio Madeira mit rund 31.200 Kubikmetern pro Sekunde.

Im brasilianischen Abschnitt ist der Fluss im Schnitt 8 bis 12 Kilometer breit. In der Trockenzeit schrumpft er auf 1,6 Kilometer, in der Regenzeit ist er an manchen Stellen 10 bis 20 Kilometer breit, also breiter als der Bodensee an seiner breitesten Stelle (14 Kilometer). Die Tiefe liegt im Schnitt bei 30 bis 40 Metern, stellenweise bei bis zu 100 Metern.

Die Pororoca: Wenn die Flut flussaufwärts rollt

Bei Springflut läuft eine Tidenwelle den Amazonas hinauf: die Pororoca. Der Name stammt aus der Tupi-Sprache und wird mit „großes Brüllen“ oder „Wasserdonnerlärm“ übersetzt. Das Grollen ist lange vor der Welle zu hören. Die Tiere der Region spüren sie instinktiv, ziehen sich lange vor ihrem Eintreffen in den Wald zurück und kehren etwa eine Stunde danach zurück.

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Die Welle wird bis zu fünf Meter hoch, erreicht knapp 20 Kilometer pro Stunde und rollt mehrere Stunden flussaufwärts. Seit 1999 findet in São Domingos do Capim ein Surfwettbewerb auf der Pororoca statt. 2003 glitt der Surfer Picuruta Salazar 37 Minuten lang und zwölf Kilometer weit auf der Welle.

Tierwelt im Amazonas: Rosa Flussdelfine, Kaimane und 2.700 Fischarten

Auf einem Quadratkilometer Amazonas-Regenwald wachsen bis zu 1.000 verschiedene Baumarten. Im Wasser des Amazonasbeckens leben über 2.700 Fischarten, etwa 15 Prozent aller bekannten Süßwasserfischarten. Der bekannteste der rund 40 Piranha-Arten ist der Rote Piranha (Pygocentrus nattereri). Der Schwarze Kaiman (Melanosuchus niger) wird bis zu fünf Meter lang und ist das größte Raubtier des Amazonasbeckens.

Typisch für die Region sind zwei Delfinarten. Der Amazonas-Sotalia gehört zu den eigentlichen Delfinen und ist ins Süßwasser eingewandert. Der Amazonasdelfin (Inia geoffrensis), auch Boto oder Rosa Flussdelfin genannt, ist die größte Flussdelfinart und lebt im Amazonasbecken und im Orinoco. Seine Halswirbel sind nicht verwachsen. Das macht ihn sehr beweglich, wenn er durch die überfluteten Wälder schwimmt. Die IUCN stuft ihn als stark gefährdet ein. Bedroht wird er vor allem durch Fischernetze, Schiffsschrauben und die gezielte Tötung als Fischköder.

Kann man im Amazonas schwimmen? Risiken und Badestellen bei Manaus

Schwimmen im Amazonas ist grundsätzlich möglich, aber riskant. Starke Strömungen, trübes Wasser, Piranhas und Kaimane sprechen dagegen. Gefährlicher als Piranhas sind die Süßwasser-Stechrochen, deren Giftstachel schwere Verletzungen verursachen kann.

Trotzdem wird bei Manaus gebadet. In der Trockenzeit von Juli bis Dezember entstehen am Rio Negro Sandstrände, an denen Einheimische baden. Das Wasser ist dort wegen der Huminsäuren relativ keimarm.

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Warum gibt es keine Brücke über den Amazonas?

Über den Hauptstrom des Amazonas führt keine einzige Straßen- oder Eisenbahnbrücke, auch nicht über den Rio Solimões. Der Hauptgrund: An beiden Ufern fehlt ein Straßen- und Schienennetz, der Fluss selbst ist die Verkehrsader der Region. Dazu kommen hohe technische Hürden. Der Wasserstand schwankt zwischen Trocken- und Regenzeit um fünf bis zehn Meter, und die Überschwemmungsgebiete (Várzea) stehen monatelang unter Wasser.

Die einzige Brücke in der Region ist die 3,6 Kilometer lange Ponte Rio Negro bei Manaus, eröffnet 2011. Sie überspannt den Rio Negro, nicht den Amazonas selbst.

Häufige Fragen

Wie lang ist der Amazonas?

Je nach Messmethode mindestens 6.400 Kilometer, häufig werden 6.400 bis 6.800 Kilometer genannt, die Höchstangabe liegt bei 6.992,2 Kilometern. Eine Satellitenstudie des INPE von 2025 bestätigt 6.992,06 Kilometer.

Ist der Amazonas länger als der Nil?

Nach den Satellitenmessungen des INPE ja: Mit 6.992,06 Kilometern ist er rund 140 Kilometer länger als der Nil mit 6.852,15 Kilometern. Weil die Wahl der Quelle und des Mündungsarms das Ergebnis stark beeinflusst, hält die Debatte aber an.

Wo fängt der Amazonas an und wo endet er?

Als mündungsfernste Quelle gilt seit 1971 der Quellbach in der Carhuasanta-Schlucht auf 5.186 Metern Höhe am Nevado Mismi in Peru. Eine Studie von 2014 nennt den Río Mantaro als noch weiter entfernte Quelle. Der Fluss endet an der Nordküste Brasiliens in einem rund 330 Kilometer breiten Mündungstrichter am Atlantik.

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Wie viel Wasser führt der Amazonas?

Im Jahresmittel 206.000 bis 209.000 Kubikmeter pro Sekunde, bei hohem Wasserstand bis zu 300 Millionen Liter pro Sekunde. Das ist etwa ein Fünftel des Süßwassers, das weltweit in die Ozeane fließt.

Kann man im Amazonas schwimmen?

Grundsätzlich ja, im Hauptstrom aber wegen starker Strömung, Piranhas, Kaimanen und Stechrochen riskant. In der Trockenzeit von Juli bis Dezember baden Einheimische an den Sandstränden des Rio Negro bei Manaus.