Brasilien hat über 7.000 Kilometer Atlantikküste und dazu Tausende Inseln: winzige Felsen mitten im Ozean, tropische Badeinseln vor Rio und São Paulo und riesige Flussinseln im Amazonasgebiet. Manche sind beliebte Urlaubsziele, andere nur für Forschende zugänglich. Dieser Überblick ordnet die wichtigsten nach Lage und zeigt, wie man hinkommt.
Inseln im offenen Atlantik
Fernando de Noronha
Der Archipel aus 21 Inseln und Felsen liegt gut 350 Kilometer vor der Küste von Rio Grande do Norte und gehört zum Bundesstaat Pernambuco. Er ist vulkanischen Ursprungs, die Hauptinsel trägt als Wahrzeichen den Felsturm Morro do Pico. Früher diente Noronha als Gefängnisinsel und Militärstützpunkt; heute steht der größte Teil als Meeresnationalpark unter Schutz.
Berühmt ist die Baía do Sancho, die über eine steile Leiter durch eine Felsspalte erreicht wird und regelmäßig zu den schönsten Stränden der Welt gewählt wird. In der Baía dos Golfinhos sammeln sich morgens Schulen von Spinnerdelfinen, zwischen Dezember und Mai legen Meeresschildkröten ihre Eier an den Stränden ab. Das klare Wasser macht Noronha zu einem der besten Tauchreviere Brasiliens.
Anreise nur per Flug ab Recife oder Natal. Jeder Besucher zahlt eine tägliche Umweltabgabe, die mit der Aufenthaltsdauer steigt, dazu eine Gebühr für den Nationalpark. Die Zahl der Übernachtungsgäste ist begrenzt, Unterkünfte sind knapp und sollten früh gebucht werden.
Atol das Rocas
Rund 150 Kilometer westlich von Noronha liegt das einzige Atoll im Südatlantik, ein ovaler Riffring mit zwei kleinen Sandinseln. Es war 1979 das erste Meeresschutzgebiet Brasiliens und ist als biologisches Reservat für Touristen gesperrt; nur Forschungsteams dürfen es betreten. Gemeinsam mit Fernando de Noronha gehört es seit 2001 zum UNESCO-Weltnaturerbe „Brasilianische Atlantikinseln“, vor allem als Brutplatz für Seevögel und Kinderstube für Haie und Schildkröten.
Sankt-Peter-und-Paul-Felsen
Die Felsengruppe São Pedro e São Paulo liegt etwa 1.000 Kilometer vor Natal fast auf dem Äquator. Sie ist keine Vulkaninsel, sondern ein Stück Erdmantel, das am Mittelatlantischen Rücken bis über den Meeresspiegel gehoben wurde – geologisch eine Seltenheit. Charles Darwin besuchte die Felsen 1832 auf der Beagle. Heute betreibt die brasilianische Marine dort eine ständig besetzte Forschungsstation, die Brasilien die Rechte an der umgebenden Meereszone sichert.
Trindade und Martim Vaz
Noch weiter draußen, über 1.100 Kilometer vor der Küste von Espírito Santo, liegen die vulkanischen Inseln Trindade und die Felsengruppe Martim Vaz. Auf Trindade unterhält die Marine einen Posten mit wechselnder Besatzung und eine Forschungsstation. Die Inseln sind Brutgebiet für Grüne Meeresschildkröten und Seevögel. Touristische Besuche sind nicht vorgesehen.
Inseln im Amazonasgebiet
Ilha de Marajó
Marajó im Mündungsgebiet von Amazonas und Rio Pará gilt mit rund 40.000 Quadratkilometern als größte Flussmeerinsel der Welt, etwa so groß wie die Schweiz. In der Regenzeit steht ein großer Teil des flachen Ostens unter Wasser, in der Trockenzeit prägen Grasland, Mangroven und lange Strände das Bild.
Bekannt ist Marajó für seine Wasserbüffel, die auf Farmen gehalten werden, als Reittiere dienen und sogar bei der Polizei in Soure eingesetzt werden. Aus der Büffelmilch entsteht der typische Queijo do Marajó. Die Insel war Zentrum der Marajoara-Kultur, deren bemalte Keramik in Museen in Belém zu sehen ist. Fähren und Schnellboote fahren von Belém nach Camará; von dort geht es per Bus oder Taxi nach Soure und Salvaterra, den beiden Hauptorten für Besucher.
Ilha do Bananal
Die Ilha do Bananal im Bundesstaat Tocantins liegt zwischen zwei Armen des Rio Araguaia und gilt mit knapp 20.000 Quadratkilometern als größte reine Flussinsel der Welt. Sie liegt im Übergang von Cerrado zu Amazonaswald, ist regelmäßig überflutet und beherbergt Jaguare, Riesenotter und Hunderte Vogelarten. Der Norden gehört zum Nationalpark Araguaia, der Süden ist Territorium der indigenen Karajá und Javaé. Besuche sind nur mit organisierten Touren und Genehmigungen möglich.
Algodoal
Die kleine Insel Algodoal (Maiandeua) an der Atlantikküste von Pará ist ein Gegenentwurf zum Massentourismus: keine Autos, sandige Wege, Fischerdörfer und kilometerlange, fast leere Strände zwischen Dünen und Mangroven. Die Insel gehört zu einem Umweltschutzgebiet. Anreise mit dem Bus von Belém nach Marudá und weiter mit einem kleinen Boot; auf der Insel übernehmen Pferdekarren den Gepäcktransport.
Inseln entlang der Küste
Ilha Grande
Die Insel in der Bucht von Angra dos Reis zwischen Rio de Janeiro und Paraty ist fast vollständig mit Atlantischem Regenwald bedeckt und autofrei. Der Hauptort Vila do Abraão ist Ausgangspunkt für Wanderungen und Bootsausflüge. Zum Strand Lopes Mendes führt ein Pfad durch den Wald oder ein Wassertaxi mit anschließendem Fußweg. Früher befand sich auf der Insel ein berüchtigtes Gefängnis, das 1994 abgerissen wurde. Seit 2019 gehört Ilha Grande zusammen mit Paraty zum UNESCO-Welterbe. Boote fahren ab Angra dos Reis, Mangaratiba und Conceição de Jacareí.
Ilhabela
Vor der Küste von São Paulo liegt Ilhabela, eine gebirgige Insel mit Wasserfällen, Regenwald und Buchten. Sie ist ein Zentrum des Segelsports und per Autofähre ab São Sebastião in wenigen Minuten erreichbar. Viele Strände an der Ostseite sind nur zu Fuß oder per Boot zugänglich. Gegen die kleinen Stechmücken (borrachudos) sollte Mückenschutz im Gepäck sein.
Florianópolis
Die Hauptstadt des Bundesstaats Santa Catarina liegt größtenteils auf der Insel Santa Catarina und ist per Brücke mit dem Festland verbunden. Über 40 Strände, die Lagune Lagoa da Conceição, Dünen zum Sandboarden und ein internationaler Flughafen machen die Insel zu einem der beliebtesten Ziele im Süden. Von Juli bis November ziehen Südkaper an der Küste des Bundesstaats vorbei.
Morro de São Paulo und Boipeba
Auf der Insel Tinharé südlich von Salvador liegt Morro de São Paulo, ein autofreier Ort mit nummerierten Stränden, alter Festung und lebhaftem Nachtleben. Ruhiger ist die Nachbarinsel Boipeba. Katamarane fahren von Salvador aus direkt, alternativ geht es über Valença per Schnellboot.
Ilha do Mel
Die kleine Insel in der Bucht von Paranaguá im Bundesstaat Paraná ist weitgehend Naturschutzgebiet, autofrei und begrenzt die Zahl der gleichzeitigen Besucher. Ein Leuchtturm von 1872, die Festung Nossa Senhora dos Prazeres und die Grotte der Encantadas sind die bekanntesten Ziele. Boote legen in Pontal do Sul und Paranaguá ab.
Reiseplanung für Inselziele
- Gebühren einplanen: Fernando de Noronha, Ilha Grande und einige andere Inseln erheben Umwelt- oder Besucherabgaben, die vor Ort oder online bezahlt werden.
- Früh buchen: Auf Inseln mit Besucherlimit sind Unterkünfte in der Hochsaison um Weihnachten, Neujahr und Karneval schnell vergeben.
- Bargeld mitnehmen: Auf kleinen Inseln wie Algodoal gibt es kaum Geldautomaten.
- Leichtes Gepäck: Wo es keine Autos gibt, wird Gepäck zu Fuß, per Handkarren oder Boot transportiert.
- Wetter beachten: Im Norden und Nordosten bringt die Regenzeit starke Schauer, im Süden kann es im Winter von Juni bis August kühl und windig werden.
Häufige Fragen
Welche ist die größte Insel Brasiliens?
Die Ilha de Marajó im Amazonasdelta mit rund 40.000 Quadratkilometern.
Kann man das Atol das Rocas besuchen?
Nein. Das Atoll ist ein biologisches Schutzgebiet und nur für Forschungsteams zugänglich.
Wie kommt man nach Fernando de Noronha?
Mit dem Flugzeug ab Recife oder Natal. Vor Ort sind eine tägliche Umweltabgabe und die Nationalparkgebühr fällig.
Welche Inseln sind autofrei?
Unter anderem Ilha Grande, Morro de São Paulo, Ilha do Mel und Algodoal. Dort bewegt man sich zu Fuß, per Boot oder Karren.






